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Aus dem Schwäbischen Tagblatt, 07.04.2011

Renovierung in Aussicht

Im Amannhof soll für eine Million Euro ein Kulturhaus entstehen

Für eine Million Euro aus Mitteln der Landesstiftung und des Denkmalschutzes soll der historische Amannhof renoviert werden. Gestern wurden die Schäden im Dachstuhl begutachtet.

Die Dachsparren und Dachbalken an der Mauerauflage sind verfault: Das sahen Hans Dieter Frey (links) und Ernst Heimes bei der gestrigen Begehung des Amann-Hofes. 65000 Euro, heißt es, sollten für die Sanierung des Dachstuhls ausreichen. Das Geld stellt der Sülchgauer Altertumsverein bereit.Bild: Mozer

Die Dachsparren und Dachbalken an der Mauerauflage sind verfault: Das sahen Hans Dieter Frey (links) und Ernst Heimes bei der gestrigen Begehung des Amann-Hofes. 65000 Euro, heißt es, sollten für die Sanierung des Dachstuhls ausreichen. Das Geld stellt der Sülchgauer Altertumsverein bereit.Bild: Mozer

Rottenburg. „Die Dachsparren sind am Fußpunkt angefault. Die Deckenbalken auf dem Dachboden sind noch von einem Brand der angrenzenden Scheuer im Jahr 1828 angekokelt“, das stellte Zimmermann Josef Kessler bei einer Begehung des Amannhofs, des ehemaligen Kerkerhauses fest. Der Sülchgauer Altertumsverein (SAV) möchte aus dem historischen Gebäude ein Kulturhaus machen. „Hier sollen alte Berufe vorgeführt werden, Vortragsreihen und Konzerte stattfinden“, freut sich Initiator Ernst Heimes. Zunächst aber muss das Gebäude, dass sich im Besitz der Stadt Rottenburg befinde, und von ihr für einen symbolischen Betrag von 20 Euro im Jahr an den SAV vermietet wird, für eine Million Euro grundlegend saniert werden. Die Mittel dafür sollen von der Landesstiftung und aus Bundesmitteln des Denkmalschutzes kommen. 65 000 Euro, die der SAV als Anschubfinanzierung bereitgestellt hat, werden für die Sanierung des Dachstuhles ausreichen. „Dann ist das Dach erstmal dicht. Trocknen tut es dann von alleine“, meint Heimes. Über Jahre hinweg war Feuchtigkeit durch das Dach gesickert, hatte sich im Mauerfüllwerk, dass wie ein Schwamm wirkte, gesammelt und die Dachsparren faulen lassen. „Vor allem die Fußenden sind davon betroffen, dort hat sich das Wasser gesammelt. Je weiter man nach oben kommt, desto besser werden die Balken“, erklärte gestern der Zimmermann. Ein vom Mitinitiator Hans Dieter Frey angefertigtes Pilzgutachten ergab, dass sich kein anzeigepflichtiger Hausschwamm in den Balken befindet. „Dann hätten wir das Haus gleich abreißen können“, meinte Architekt Klaus Osterried. Der Biologe Hans Dieter Frey stellte außerdem fest, dass das Haus vom Holzbock, einem schädlichen Käfer verschont blieb. Dennoch müssen wohl einige tragende Balken erneuert werden. Die Tübinger Kunsthistorikerin Julia Feldtkeller hat im Erdgeschoss Proben des Putzes entnommen und für die Eingangstür und andere erhaltenswerte Teile des Hauses ein Gutachten erstellt. Das Institut für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart hat bereits eine Bauaufnahme durchgeführt und in einem 130-seitigen Raumbuch alle Räume dokumentiert, eine Schadensanalyse erstellt und Vorschläge für die künftige Nutzung erarbeitet. Das im Jahr 1715 in die Stadtmauer eingebaute Haus bestand einst ausschließlich aus dunklen Kerkerzellen. Einige dieser Gewölbe sind noch beinahe im Originalzustand, andere wurden später zum Viehstall, zu Wohnräumen und zu einer Dachtenne umgebaut. In den hellen Wohnräumen im ersten Stock des Gebäudes sollen Ausstellungsräume oder Künstlerateliers entstehen. Im Erdgeschoss, wo das Scheunentor eingebrochen wurde könnte ein Raum für Vorträge und Konzerte entstehen, so jedenfalls die Visionen von Ernst Heimes und Hans Dieter Frey. Sie nehmen sich das Ravensburger Humpis-Quartier zum Vorbild und wollen im Amannhof ein Kulturhaus von überregionaler Bedeutung schaffen. Einen Vorgeschmack davon können Besucher bei der Rottenburger Kulturnacht am Samstag bekommen. Von 18 bis 20 Uhr werden Speisen, Musik und eine Vorführung historischen Handwerks „Aus der Zeit des Kerkerhauses“ geboten.
Martin Zimmermann